EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Hervest-Dorsten von der Straßenseite aus gesehen © Copyright 2000 - 2022 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten

Bau und Streckeneröffnung

Die Bahnstrecke der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME) zwischen Haltern und Venlo wurde in mehreren Teilabschnitten eröffnet. Der Abschnitt von Haltern über Hervest-Dorsten nach Wesel wurde am 1. März 1874 in Betrieb genommen. Die 90,2 Kilometer lange Gesamtstrecke wurde am 31. Dezember 1874 eröffnet und in Teilstrecken als strategische Bahn bis Hamburg ausgebaut. Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) eröffnete ihre 100,18 Kilometer lange Strecke zwischen Osterfeld Nord und Rheine. Eine 2,05 Kilometer lange Verbindungsbahn für den Güterverkehr von Dorsten nach Hervest wurde zusammen mit der Strecke am 1. Juli 1879 in Betrieb genommen.

Das Empfangsgebäude Hervest-Dorsten

Das Stationsgebäude wurde 1880 von der RhE eröffnet. Dabei handelte es sich um ein einstöckigen, traufenständigen und langen Fachwerkbau, der durch zwei giebelständige Gebäudeteile unterbrochen wurde. Das Gebäude besaß Satteldächer.

Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen

Die 59,62 Kilometer lange Bahnstrecke von Gelsenkirchen-Bismark ins Niederländische Winterswijk eröffnete die Niederländisch-Westfälische Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) feierlich am 21. Juni 1880. Die Strecke verlief ca. einen Kilometer nördlich von Hervest über eine Brücke der Strecke der RhE hinweg. 1894/95 begannen umfangreiche Erdarbeiten an einem Turmbahnhof, wo sich die zwei Strecken der RhE und NWE vereinigten. Es entstanden zwei neue, überdachte Inselbahnsteige, die über der CME-Strecke lag. Von Hervest nach Dorsten benutzten beide Bahnen ein gemeinsames Gleis. Es gab dabei keine Ausweichmöglichkeit für die Züge. Das führte dazu, dass umsteigende Reisende auch ihr Gepäck und eine neue Fahrkarte im 600 Meter entfernten Bahnhof lösen mussten. Am 5. April 1881 erklärten sich die Eisenbahngesellschaften bereit, durchgehende Fahrkarten zuzulassen. 1905 wurde der Schacht der nahen Zeche Baldur und 1910 der Zeche Fürst Leopold abgeteuft. Dafür musste die Gleisanlage erheblich erweitert werden. 1911 wurde der Neubau des Bahnhofs Hervest-Dorsten genehmigt. 1913 wurde das Stationsgebäude der ehemaligen CME aufgrund des Bahnhofsumbaus abgerissen.

Das zweite Empfangsgebäude

1913 ging das neue Stationsgebäude in Betrieb. Es war ein Putzbau, dessen hohe Schalterhalle im Schnittpunkt der Strecken errichtet wurde. Sie wurde durch rechtwinklig angebaute, zweistöckige Flügelbauten ergänzt. Die geräumige Schalterhalle verfügte über fünf vertikale Sprossenfenster, über denen sich im spitzen Giebel die Bahnhofsuhr befand. In der Schalterhalle gab es zwei Fahrkartenschalter und eine Gepäckabfertigung. Im rechten Gebäudeflügel befand sich ein Bahnhofsrestaurant. Im Obergeschoss waren Wohnungen für den Bahnhofsvorsteher und dem Wirt entstanden. Im linken Flügelbau befanden sich Diensträume. Ein Personentunnel zu den Bahnsteigen wurde gebaut. Die gesamten Umbaumaßnahmen des Bahnhofs wurden am 24. Februar 1916 mit der polizeilichen Abnahme abgeschlossen. Der Bahnhof gehörte 1938 zur Rangklasse II.

Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen

1948 wurde die Strecke zwischen Hervest und Wesel stillgelegt. 1950 baute die Bahn die Reststrecke bis Haltern eingleisig zurück. 1962 stellte die Deutsche Bundesbahn (DB) den Personenverkehr nach Haltern ein. 1976 wurde im Gleisanschluss zu den Zechen das Stellwerk am Ablaufberg aus dem Betrieb genommen und die Gleisanlage erheblich verkleinert. Die Fahrkartenausgabe wurde gegen Ende der 1970er-Jahre eingestellt und das Stationsgebäude zum Verkauf ausgeschrieben. Der Turmbahnhof als solcher verlor seine Bedeutung. 1983 kaufte die Christengemeinde Dorsten das Gebäude und sanierte es. 2010 ließ die Gemeinde das Stationsgebäude isolieren und neu verputzen.

Was hat sich verändert, was ist geblieben

Das Empfangsgebäude von 1913 ist in seinem Grundriss erhalten. Sein Äußeres wurde jedoch erheblich verändert. So wurde der Vorbau zur Schalterhalle erneuert und die Fenster der Seitenflügel teilweise zugemauert. Das sehr gepflegte Stationsgebäude wird heute als Gemeindehaus genutzt.
Bilder Hervest
Bahnhof um 1886
Luftaufnahme
Bahnhof von 1913
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Bahnstation Hervest-Dorsten